DANKE für euer Interesse an meinem Blog

Hallo liebe Besucher / liebe Besucherinnen,

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El Pueblo Unido – Chiles Beitrag zum linken Liedgut

Ein Freiheitslied vom südamerikanischen Kontinent, das seinen Eintritt in den in den internationalen Liederkanon gefunden hat, ist El pueblo unido (z.dt. das vereinte Volk). Es wurde zur musikalisch-kulturellen Unterstützung der chilenischen Volksfrontregierung unter Salvador Allende von Sergio Ortega komponiert; den Text verfasste die Gruppe Quilapayún. Nach dem Militärputsch gegen die demokratische chilenische Regierung im September 1973 wurde El pueblo unido Protest-, und Kampflied der von Augusto Pinochet unterdrückten linken Opposition. Der weltweite Aufschrei gegen diesen vom CIA mit-organisierten Coup trug schließlich wesentlich zur Verbreitung dieses dem Genre der Nueva Cancíon (eine besondere Art der südamerikanischen Folk-, Balladenmusik mit Schwerpunkt auf sozialer Kritik) in vielen sozialdemokratischen / sozialistischen Verbänden und Gruppen in der Welt bei. In Deutschland wird dem einen oder anderen die Übersetzung und Interpretation von Hannes Wader im Gedächtnis sein.

Es hat 16 Jahre gedauert bis es wieder zu freien Wahlen in Chile kam. Das Erbe der Pinochet-Diktatur ist jedoch bis heute nicht überwunden wie im Rahmen der letzten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen Ende 2013 erneut offensichtlich wurde als mit Michelle Bachelet und Evelyn Matthei zwei Kandidatinnen gegeneinander antraten, die während der Diktatur leiden, respektive profitieren konnten, zählten ihre Väter (beide Militäroffiziere) zu den antagonistischen Lagern. Am Ende hat die chilenische Linke (Nuevo Mayoría) klar gewonnen, was nicht nur an der katastrophalen Bildungspolitik von Präsident Sebastán Piñera gelegen hatte. Am Ende waren die Chilenen den Erzkonservatismus Leid, der nur auf ökonomische Vorteile schaute und sich für soziale, kulturelle und ökologische Fragen nicht interessiert.

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Erich Mühsam: Freiheit in Ketten

Der Dichter Erich Mühsam (1878-1934) kann zu Recht als bekanntester Vertreter des Anarchismus (Syndikalismus) in der Weimarer Republik beschrieben werden. Als KPD-nahestehender Aktivist gründete er im April 1918 die kurzlebige Münchener Räterepublik mit, nach deren Niederschlagung, er zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde (nach fünf Jahre amnestiert), die seine politischen und künstlerischen Entwicklung der kommenden Jahre grundlegend prägte. Aus den Erfahrungen seiner Gefängniszeit und der Arbeit bei der Roten Hilfe der späten 20er Jahre wuchs sein anarchistisches und anti-autoritäres Grundverständnis, welches in dem 1928 geschriebenen Gedicht ‚Freiheit in Ketten‘ eloquent zur Wirkung kommen:

Ich sah der Menschen Angstgehetz;
ich hört der Sklaven Frongekeuch.
Da rief ich laut: Brecht das Gesetz!
Zersprengt den Staat! Habt Mut zu euch!
Was gilt Gesetz?! Was gilt der Staat?!
Der Mensch sei frei! Frei sei das Recht!
Der freie Mensch folgt eignem Rat:
Sprengt das Gesetz! Den Staat zerbrecht! ­
Da blickten Augen kühn und klar,
und viel Bedrückte liefen zu:
Die Freiheit lebe! Du sprichst wahr!
Von Staat und Zwang befrei uns du! ­
Nicht ich! Ihr müßt euch selbst befrein.
Zerreißt den Gurt, der euch beengt!
Kein andrer darf euch Führer sein.
Brecht das Gesetz! Den Staat zersprengt! ­
Nein, du bist klug, und wir sind dumm.
Führ uns zur Freiheit, die du schaust! ­
Schon zogen sie die Rücken krumm:
O sieh, schon ballt der Staat die Faust! …
Roh griff die Faust mir ins Genick
des Staats: verletzt sei das Gesetz!
Man stieß mich fort. ­ Da fiel mein Blick
auf Frongekeuch und Angstgehetz.
Im Sklaventrott zog meine Schar
und schrie mir nach: Mach dein Geschwätz,
du Schwindler, an dir selber wahr!
Jetzt lehrt der Staat dich das Gesetz! ­­
Ihr Toren! Schlagt mir Arm und Bein
in Ketten, und im Grabverlies
bleibt doch die beste Freiheit mein:
die Freiheit, die ich euch verhieß.
Man schnürt den Leib; man quält das Blut.
Den Geist zwingt nicht Gesetz noch Staat.
Frei, sie zu brechen, bleibt mein Mut ­
und freier Mut gebiert die Tat!

Für Mühsam war die Befreiung von autoritären Strukturen zuallererst von der vorgelagerten Befreiung seiner / ihrer selbst von autoritärem Denkprozessen bedingt. Dies stand im direkten ideologischen Gegensatz nicht nur zu konservativen Kräften, eben auch zu den kommunistischen (und größtenteils der sozialdemokratischen) Parteien jener Epoche, die mit straffer Parteiorganisation und -disziplin die hierarchischen Sozialstrukturen der jeweiligen Gesellschaften im neuen Gewand adaptiert hatten.
Die Zuspitzung erfuhr diese Auslegung des Marxismus in Lenins Postulat, die kommunistische Partei sei die historisch-notwendige Elitenbildung des Proletariats, die die Arbeiterschaft im Aufbau des Sozialismus bildet, erzieht und somit emanzipiert. Diese Denke war Mühsam und den Anarchismus fremd, glaubte man doch an das Ideal der Selbstbefreiung eines jeden einzelnen in seinen einzelnen Lebensumständen durch simple Selbsterkenntnis. Kants Antwort auf die Frage – Was ist Aufklärung? – der Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, ist nach Mühsams ‚Freiheit in Ketten‘ die Maxime, welche durch entsprechende Taten des Infragestellens von Institutionen, Strukturen und Verhaltensweisen Freiheit für sich und die Mitmenschen ermöglicht und damit den Staat überflüssig macht …

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Kurt Tucholsky: Zwei Erschlagene

Das von Kurt Tucholsky unter seinem Pseudonym Kaspar Hauser in der Weltbühne am 23.01.1919 veröffentlichte Gedicht ‚Zwei Erschlagene‘ thematisiert die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Rahmen des Januaraufstandes in Berlin 1919. Unter dem Begriff Spartakusaufstand ging er in die Geschichte ein und wurde zum Gründungsmythos der KPD in der Weimarer Republik und gilt neben dem Blutmai von 1929 als das schwerwiegendste Ereignis, welches zum Zerwürfnis der beiden Arbeiterparteien führte. Obwohl die beiden KPD-Vorsitzenden und der Spartakusbund nur peripher am Aufstand beteiligt waren, der primär von der USPD und den Revolutionären Obleuten getragen wurde, lag die öffentliche Hauptschuld bei diesen beiden. Kurt Tucholsky, selbst Anhänger der USPD und später der KPD, verehrt in dem Gedicht deren Heldenmut und die Treue zur politischen Sache und verurteilt im gleichen Atemzug die Brutalität und Menschenverachtung der reaktionären Kräfte und Freikorps-Verbände (siehe z.B. die Widmung) …

Der Garde-Kavallerie-Schützen-Division zu Berlin in Liebe und Verehrung

Märtyrer . . . ? Nein.
Aber Pöbelsbeute.
Sie wagtens. Wie selten ist das heute.
Sie packten zu, und sie setzten sich ein:
sie wollten nicht nur Theoretiker sein.

Er: ein Wirrkopf von mittleren Maßen,
er suchte das Menschenheil in den Straßen.
Armer Kerl: es liegt nicht da.
Er tat das Seine, wie er es sah.
Er wollte die Unterdrückten heben,
er wollte für sie ein menschliches Leben.
Sie haben den Idealisten betrogen,
den Meergott verschlangen die eigenen Wogen.
Sie knackten die Kassen, der Aufruhr tollt –
Armer Kerl, hast du das gewollt?

Sie: der Mann von den zwei beiden.
Ein Leben voll Hatz und Gefängnisleiden.
Hohn und Spott und schwarz-weiße Schikane
und dennoch treu der Fahne, der Fahne!
Und immer wieder: Haft und Gefängnis
und Spitzeljagd und Landratsbedrängnis.
Und immer wieder: Gefängnis und Haft –
Sie hatte die stärkste Manneskraft.

Die Parze des Rinnsteins zerschnitt die Fäden.
Da liegen die beiden am Hotel Eden.
Bestellte Arbeit? Die Bourgeoisie?
So tatkräftig war die gute doch nie . . .
Wehrlos wurden zwei Menschen erschlagen.

Und es kreischen Geier die Totenklagen:
Gott sei Dank! Vorbei ist die Not!
»Man schlug«, schreibt einer, »die Galizierin tot.«
Wir atmen auf! Hurra Bourgeoisie!
Jetzt spiele dein Spielchen ohne die!

Nicht ohne! Man kann die Körper zerschneiden.
Aber das eine bleibt von den beiden:

Wie man sich selber die Treue hält,
wie man gegen eine feindliche Welt
mit reinem Schilde streiten kann,
das vergißt den beiden kein ehrlicher Mann!

Wir sind, weiß Gott, keine Spartakiden.
Ehre zwei Kämpfern!
Sie ruhen in Frieden!

Auch für mich sind Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ein Vorbild, allerdings nicht wegen des Spartakusaufstandes und der folgendes Januarkämpfe in ganzen Deutschen Reich, bei denen geschätzt 5000 Menschen starben. Mir imponierte Luxemburgs feministische Grundhaltung und ihr Internationalismus, und Liebknechts stringente Anti-Kriegs-Haltung. Dem Berliner Januaraufstand kann ich aber – so nobel er auch gedacht war – nichts positives abgewinnen. Der Reichsrätekongress, an dem die Delegierten der Arbeiter- und Soldatenräte aus ganz Deutschland teilnahmen, sprach sich im Dezember 1918 ausdrücklich für eine parlamentarische Demokratie und Wahlen zur Nationalversammlung aus. Dies durch eine zweite Revolution zu konterkarieren, ist nicht demokratisch, die USPD mag zwar die Mehrheit in Berlin gehabt haben, aber nicht in ganz Deutschland.
Dass der Rat der Volksbeauftragten die Beschlüsse des Rätekongress zur Sozialisierung und Neuordnung des Militärs nicht vor der Parlamentswahl umsetzen wollte und konnte  (die MSPD sah dies als Aufgabe einer frei-gewählten Legislative) ist tragisch und sollte sich für den weiteren geschichtlichen Verlauf der Weimarer Republik als ein immanentes Problem erweisen und zum Untergang beitragen. Einen Aufstand rechtfertigt diese Entscheidung jedoch nicht. Am Ende gilt für jeden guten Sozialisten das Zitat von Erich Ollenhauer zur Gründung der Sozialistischen Internationale nach dem Zweiten Weltkrieg – gespeist aus der Empirie von Weimar und des Stalinismus – „Der Sozialismus kann nur durch die Demokratie erreicht werden, die Demokratie nur durch den Sozialismus vollendet werden.“ Schade, dass USPD und KPD dies im Januar 1919 nicht so sahen, aber Tucholskys ‚Zwei Erschlagene‘ ist trotzdem gut 🙂

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Karl Renner: Drei Pfeile

dreipfeileKarl Schneller (1878 – 1942) war ein österreichischer Offizier, Weltkriegskämpfer und, was es in dieser Kombination selten gab, auch ein bekennender Sozialist. Zudem betätigte er sich als Lyriker und kam im Österreich der Zwischenkriegszeit zu einer gewissen Reputation. Sein bis heute berühmtestes Gedicht symbolisiert in unvergleichlicher Weise den Kampfwillen der deutschen + österreichischen Arbeiterbewegung gegen ihre Hauptfeinde: Kapitalismus, Monarchie (auch in den Formen von Reaktion und Klerikalismus) und Faschismus. Das Gedicht heißt so wie das vom russischen Sozialdemokraten Sergej Tschachotin entworfene Kampfzeichen, welches 1932 sowohl von der Sozialisten in Österreich, als auch dem Reichsbanner und der Eisernen Front in Deutschland adaptiert wurde: Drei Pfeile

Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
Wir wollen es schaffen: Die Menschheit sei frei!
So treffe des ersten gesammelte Kraft
den Kapitalismus, der aussaugt und rafft;
denn wird nicht der uralte Erzfeind gefällt,
bleibt uraltes Unrecht die Geißel der Welt.

Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
So schlage des zweiten geballte Gewalt
den Schädling Faschismus in jeder Gestalt,
den Götzen der über die Völker sich setzt,
im Innern sie knechtet, nach außen verhetzt.

Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
Wir wollen es schaffen: Die Menschheit sei frei!
So jage des dritten vernichtende Wucht
das finst´re Gespenst Reaktion in die Flucht;
wo immer es auftaucht, ein Hemmnis dem Licht,
dort halte der dritte der Pfeile Gericht.

Kapitalismus, Faschismus, Reaktion;
schlaget die drei und die Menschheit ist frei!

Der Kreis repräsentiert die Einheit und Einigkeit der Arbeiterschaft in ihrem Kampf gegen diese drei Feinde. Ja nach Situation hatten die drei Pfeile auch andere Bedeutung. So stehen sie auch in der späten Weimarer Republik für drei Mitgliedsverbände der Eisernen Front: die freien Gewerkschaften des ADGB, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und die Arbeitersportorganisationen oder wendeten sich konkret gegen einzelne Personen als Führungsfiguren der feindlich gesonnenen politischen Kräfte – Hitler (Faschismus), Hugenberg (Monarchismus) und Brüning (Kapitalismus). In der Spätphase der Weimarer und der Ersten Republik, als auch in der Zeit des Widerstandes überzeichneten mutige Sozialisten und Sozialdemokraten die Hakenkreuze an Wänden etc. mit den Drei Pfeilen.

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