Karl Renner: Drei Pfeile

Karl Renner: Drei Pfeile

dreipfeileKarl Schneller (1878 – 1942) war ein österreichischer Offizier, Weltkriegskämpfer und, was es in dieser Kombination selten gab, auch ein bekennender Sozialist. Zudem betätigte er sich als Lyriker und kam im Österreich der Zwischenkriegszeit zu einer gewissen Reputation. Sein bis heute berühmtestes Gedicht symbolisiert in unvergleichlicher Weise den Kampfwillen der deutschen + österreichischen Arbeiterbewegung gegen ihre Hauptfeinde: Kapitalismus, Monarchie (auch in den Formen von Reaktion und Klerikalismus) und Faschismus. Das Gedicht heißt so wie das vom russischen Sozialdemokraten Sergej Tschachotin entworfene Kampfzeichen, welches 1932 sowohl von der Sozialisten in Österreich, als auch dem Reichsbanner und der Eisernen Front in Deutschland adaptiert wurde: Drei Pfeile

Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
Wir wollen es schaffen: Die Menschheit sei frei!
So treffe des ersten gesammelte Kraft
den Kapitalismus, der aussaugt und rafft;
denn wird nicht der uralte Erzfeind gefällt,
bleibt uraltes Unrecht die Geißel der Welt.

Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
So schlage des zweiten geballte Gewalt
den Schädling Faschismus in jeder Gestalt,
den Götzen der über die Völker sich setzt,
im Innern sie knechtet, nach außen verhetzt.

Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
Wir wollen es schaffen: Die Menschheit sei frei!
So jage des dritten vernichtende Wucht
das finst´re Gespenst Reaktion in die Flucht;
wo immer es auftaucht, ein Hemmnis dem Licht,
dort halte der dritte der Pfeile Gericht.

Kapitalismus, Faschismus, Reaktion;
schlaget die drei und die Menschheit ist frei!

Der Kreis repräsentiert die Einheit und Einigkeit der Arbeiterschaft in ihrem Kampf gegen diese drei Feinde. Ja nach Situation hatten die drei Pfeile auch andere Bedeutung. So stehen sie auch in der späten Weimarer Republik für drei Mitgliedsverbände der Eisernen Front: die freien Gewerkschaften des ADGB, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und die Arbeitersportorganisationen oder wendeten sich konkret gegen einzelne Personen als Führungsfiguren der feindlich gesonnenen politischen Kräfte – Hitler (Faschismus), Hugenberg (Monarchismus) und Brüning (Kapitalismus). In der Spätphase der Weimarer und der Ersten Republik, als auch in der Zeit des Widerstandes überzeichneten mutige Sozialisten und Sozialdemokraten die Hakenkreuze an Wänden etc. mit den Drei Pfeilen.

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